Heute am 12. Mai, ist Internationaler Tag der Pflege. Ein wichtiger Tag, um wieder einmal auf den Pflegenotstand hinzuweisen, die bedeutende Arbeit von Pflegekräften sichtbar zu machen und die Arbeitsbedingungen in der Branche zu thematisieren. Erstes, nicht überraschendes, Resümee: Österreich hat einen massiven Pflegenotstand.
Iris Seewald, ÖGB Frauen- und FCG/ÖGB Landesvorsitzende in Vorarlberg und selbst Betriebsratsvorsitzende in einem Institut für Sozialdienste, hat dazu in einer Presseaussendung klar Stellung bezogen, die ihr gerne HIER nachlesen könnt.
Die wesentlichen Aussagen und Forderungen haben wir für euch in diesem FCG/GPA informiert zusammengefasst:
Tag der Pflege: Seewald fordert Ende der stillen Ausbeutung im Pflegesystem
ÖGB-Landesfrauenvorsitzende: „Dieses System funktioniert nur, weil vor allem Frauen täglich über ihre Grenzen gehen – das ist keine Lösung, das ist ein Systemversagen“
Zum Internationalen Tag der Pflege erhebt Iris Seewald, ÖGB-Landesfrauenvorsitzende und ÖGB FCG-Landesvorsitzende in Vorarlberg, klar ihre Stimme: Das österreichische Pflegesystem steht vor einem „Kollaps“ und trägt diese Last auf den Schultern von Frauen, die im Beruf und zuhause gleichzeitig funktionieren müssen.
„Pflegekräfte springen ständig ein, Angehörige opfern Freizeit, Einkommen und oft die eigene Gesundheit. Besonders Frauen (er)tragen diese Last seit Jahren. Dieses System funktioniert nur, weil Menschen täglich über ihre Grenzen gehen. Das ist keine Lösung, das ist ein Systemversagen.“
Wenn der Beruf die Menschen aufreibt
Viele Pflegekräfte verlassen ihren Beruf nicht, weil die Arbeit mit Menschen sie nicht mehr erfüllt – sondern weil die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, auf Dauer nicht tragbar sind. Ständige Überstunden, kurzfristige Dienstplanwechsel und die gleichzeitige Organisation von Familie zermürben selbst die Engagiertesten. „Menschlichkeit allein ersetzt keine Entlastung.“
Die unsichtbare Pflegearbeit zuhause
Parallel dazu wächst der Druck auf pflegende Angehörige: Immer mehr Menschen – überwiegend Frauen – müssen Versorgungslücken auffangen, häufig neben Vollzeitjob und Kinderbetreuung. Diese Arbeit bleibt gesellschaftlich weitgehend unsichtbar, hat aber reale und dauerhafte Folgen: geringere Einkommen, unterbrochene Karrieren, niedrigere Pensionen.
Was als selbstverständliche Familienleistung gilt, ist in Wirklichkeit ein strukturelles Versagen der Pflegepolitik – und es trifft Frauen mit voller Wucht.
Konkrete Maßnahmen
Der Personalmangel wird sich von heute auf morgen nicht lösen lassen. Umso dringlicher ist es, die Menschen, die heute noch im System arbeiten, zu schützen und zu halten. Die FCG/GPA fordert:
- Verlässliche Dienstpläne mit echten Vorlaufzeiten
- Bessere Arbeitsbedingungen und ein höheres Einkommen für das Pflegepersonal
- Einheitliche Standards für den Pflege- und Betreuungsbereich. Bundesländergrenzen dürfen keine Nachteile erzeugen
- Gesetzlich verankerte Regenerationszeiten nach Belastungsspitzen
- Konsequenter Ausbau von mobilen Pflege- und Entlastungsangeboten
- FInanzielle Anerkennung und soziale Absicherung für pflegende Angehörige
- mehr Pflegefreistellungstage pro Jahr, um Beruf und Pflege/Betreuung von Angehörigen besser vereinbaren zu können.
„Die Länder und Gemeinden können nicht länger kompensieren, was auf Bundesebene versäumt wird. Pflege braucht eine gesamtstaatliche Antwort – und die brauchen wir jetzt. Denn die Herausforderungen und der Pflegebedarf steigt ständig weiter.“
„Eine solidarische Gesellschaft baut ihre Pflege nicht auf permanenter Selbstüberforderung auf. Wer täglich Verantwortung für andere trägt, braucht selbst Schutz, Unterstützung und faire Bedingungen für diese wichtige Arbeit. Das ist keine Forderung – das ist eine Selbstverständlichkeit“, so der Bundesgeschäftsführer der FCG/GPA Markus Hiesberger.